Die Stanser Musiktage 2026 – «E läbige Dörenand-Groove»

Ich besuchte dieses Jahr zum ersten Mal die Stanser Musiktage. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde. Ich freute mich auf tolle Musik und vielleicht noch ein oder zwei feine Bierchen. Doch am Ende war ich nicht nur von der Musik begeistert, sondern viel mehr noch von der gelebten Diversität des Festivals.

Autor:in:
Sita Eigenheer
Titelbild:
Joel Michel
Hinweise:

Der Begriff Diversität schreiben sich heutzutage viele gross auf die Kappe – Stichwort Diversity Management. Richtig umgesetzt wird Diversität aber von wenigen. Vermutlich, weil viele den Begriff und das dahinterstehende Konzept gar nicht richtig verstehen oder nicht verstehen wollen. Ausserdem ist es ein Ausdruck, der schnell auf Resignation stösst, da er meiner Meinung nach, zu einem politisch normativen Triggerwort geworden ist.

Dabei bedeutet Diversität vereinfacht gesagt «nur» Verschiedenheit. In welchen Dimensionen und auf welche Art diese Verschiedenheit und Vielfalt geschaffen wird, kann ganz unterschiedlich aussehen.

Gerade im Kulturbereich hat die diversitätssensible Organisationsgestaltung in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen. Kulturinstitutionen und Angebote geben sich sichtlich Mühe, ein offenes und möglichst diverses Angebot bereitzustellen.

Den Stanser Musiktagen gelang gerade dies wunderbar – ohne es an die grosse Glocke zu hängen.

Von Programm zu Publikum

Das Programm ist wohl das offensichtlichste, wenn man auf die Vielfalt der Stanser Musiktage zu sprechen kommt. Während in der Winkelriedbar das Ländlertrio Zingelgruess auftritt und sich das Publikum dabei vergnügt ein Kafi-Schnaps gönnt, performt im Kollegisaal das feministisch-queere Rap Trio Tribade ihre antifaschistischen und antikapitalistischen Texte. Brighide Chaimbeul bringt mit ihrem Dudelsack schottische Klänge in die Zentralschweiz und Fululu Miziki versprüht kongolesischen Recycling-Groove im Chäslager.

Neben des Konzertprogramms, das an sich schon ein ausgedehntes Spektrum an Genres und Stilen beinhaltet, bietet auch das Rahmenprogramm eine vielfältige Abwechslung zu den musikalischen Highlights. Anregende Referate, Talks und Live-Podcasts, für die, die gern zuhören. Installationen und Ausstellungen, für alle, die das Visuelle bevorzugen.

Auch das Nachtprogramm überzeugt. Für alle ist was dabei: von kultigen 80er/90er Bangers bis hin zu elektronischem Sound im inneren Chor der Kapuzinerkirche.

Zum vielfältigen Programm könnte man noch haufenweise schreiben, doch es ist nicht das, was mich am meisten überrascht hat.

Es sind die Menschen

Mehr überrascht haben mich andere Dimensionen, an denen man Diversität messen kann. Die verschiedenen Orte und Lokale, die Helfenden und das Publikum.

Stans ist nicht besonders gross und doch bietet es unterschiedliche und schöne Orte für Kultur. Das Chäslager ist wahrscheinlich vielen bekannt, aber was ist mit dem Culinarium Alpinum, wo die Klanginstallation zur Geschichte des Käses von Patrick Kessler zu sehen war? Oder das untere Beinhaus, wo man, wenn man sich während des Konzertes umdreht, plötzlich eine Schädelwand entdeckt?

Auch die Helfis und Mitarbeitenden scheinen aus ganz unterschiedlichen Personen zu bestehen. Mir scheint, als hätte sich das ganze Dorf zusammengeschlossen, um die Musiktage auf die Beine zu stellen. Die Pfadi verkauft Getränke, ein netter älterer Herr erzählt mir, dass er beim Auf- und Abbau helfe... Und da sind noch ganz viele andere Menschen, die Arbeit in das Fest stecken.

All diese Aspekte führen wohl auch zu einem diversen Publikum. Es scheint, dass die Stanser Musiktage ihr Angebot für unterschiedliche Zielgruppen programmieren oder auch für Menschen, die Verschiedenheit erleben möchten.

Ein Platz für alle

Dass sich ein diverses Publikum zusammenstellt, hängt aber auch davon ab, ob ein entsprechender Zugang und Platz für alle geschaffen wird.

Wenn man von Diversität spricht, betrachtet man klassischerweise Ebenen wie Alter, ethnische Herkunft und Nationalität, Geschlecht und Geschlechtsidentität, körperliche und geistige Fähigkeiten, Religion und Weltanschauung, sexuelle Orientierung und Identität sowie soziale Herkunft.

Durch Dinge, wie ein Programm in einfacher Sprache, einen Ruheraum für Personen, die aus den verschiedensten Gründen eine Pause vom Gewimmel brauchen, barrierefreie Zugänge und auch durch mehrere, kostenfreie Programmpunkte, werden Hürden abgeschafft und Zugänge für viele kreiert.

Es gibt noch weitere Dimensionen, die analysiert werden können, wenn man sich mit den Diversitätsstrukturen beschäftigt. Beispielsweise könnte man sich fragen, wie es um die Partizipation steht? Wer spricht bei der Programmgestaltung mit, wer entscheidet und kuratiert? Gibt es einen Dialog mit dem Publikum oder wird Feedback aus der Besucherschaft eingeholt? Das sprängt aber den Rahmen eines lobenden Rückblicks. Stattdessen gibts hier noch den Aftermovie, den ich für die Stanser Musiktage machen durfte:


Zum Schluss möchte ich noch auf Pirmin Bossarts schönen Beitrag verweisen, in dem er die Vielfalt der SMT perfekt zusammenfasst:

“ (...)

E läbige Dörenand-Groove met Blööser ond Perkussione em Chäslager

Stans hett die ganzi Vielfalt zom Glück no kei Schlager es dönkti mi s hett söscht scho gnueg

Programmpönkt am Lager: es fetts Menue met viel me als nur Musig Du weisch chuum me wo aafoo Ond öbs no längt fürs nächst oder ou das no

Ned dass mers am Ändi - das wäre die falschi Therapie - no ganz lood lo sii

(...)”

Die ganze (hörenswerte) Hommage von Pirmin Bossart zu 30 Jahren SMT, findet ihr hier

Verlosung

Infobox

Die Stanser Musiktage 2026 fanden vom 15. bis 19. April statt.