Warum fad gewordener Rotwein noch wertzuschätzen ist

Mit «4/5 oder von der Kunst keine Fahrstuhlmusik zu werden» startet das Luzerner Kulturjahr 2026 mit einer feinfühligen Theaterproduktion, die sich einem Thema widmet, vor dem man allzu gern die Augen verschliesst: dem Altern.

Autor:in:
Léon Schulthess
Hinweise:

«Sollte ich gleich tot umfallen, sagt, ich hätte etwas Bedeutsameres gesagt» Die menschliche Wesensart, in Erinnerungen zu schwelgen, und der Wunsch, in Erinnerung zu bleiben, finden auf der Bühne des Südpols Luzern Platz. Auf fünf Monoblock-Stühlen. In vier Figuren, die aus ihrem letzten Lebensabschnitt heraus über persönliche Neuerfindungen, Altlasten oder Hedonismus plaudern, philosophieren und innehalten.

So schwingt stets eine unaufdringliche existenzialistische Note mit, dank welcher auch ein leerer Monoblockstuhl das Leben eines Verstorbenen erzählen kann.

Das Quartett der renommierten Schauspieler:innen Nikola Weisse, Jaap Achterberg, Suly Röthlisberger und Pierre Siegenthaler setzt dem Unsichtbarwerden im Alter die eigenen Lebensrealitäten entgegen. Was in der Koproduktion von „Zell:stoff“ und dem Kleintheater geschieht, ist kein Kampf, sondern ein behutsames Freilegen ihrer puren, individuellen Existenz. Eine oft vergessene Generation wird durch die Figuren sichtbar und nahbar. Die Authentizität gelebter Lebens- und Bühnenerfahrung entfaltet sich und verwandelt die Bühne in eine unterhaltsame und berührende Intimsphäre.

Alt ist nicht einfach «alt»!

Die Bühne als moderner Guckkasten legt den Fokus gänzlich auf die vier menschlichen Exponate, deren Präsenz zur Geltung kommt. Das reduzierte Bühnenbild spielt mit Brüchen und unerwarteten Gegensätzen, um «alt» nicht alt darzustellen. Die visuelle Abstraktion des letzten Lebensabschnitts verstärkt die spielerische Lebenslust der Figuren und die Aussagen des Textes, der eine partizipative Entwicklung durchlief.

Im Gespräch mit der künstlerischen Ko-Leitung, Sophie Stierle, Saskya Germann und Patric Gehrig, wurde deutlich, dass sie als jüngere Generation keinesfalls das Alter szenisch behaupten wollen, keinen «Young Gaze» werfen wollen. Sie gestehen ihr Unwissen, treten zurück und überlassen den Spieler:innen die Deutungshoheit über die Produktion. In der Stoff- und Textentwicklung holte die Autorin Hannah Zufall die Expertise der vier «Alterserfahrenen» ein, um diese Thematik in ihren diversen Facetten möglichst ehrlich zu beleuchten. Denn insbesondere im Alter differieren Individuen am stärksten. Das zeigt sich auch daran, dass die einzige gemeinsame Alterserfahrung der Spieler:innen die Schwierigkeit ist, Schuhe anzuziehen.

Ziehen wir uns also die Schuhe an und lauschen wir im Südpol den vier Figuren, damit ihre Geschichten nicht zu Fahrstuhlmusik verkommen!

Verlosung

Infobox

«4/5 oder von der Kunst keine Fahrstuhlmusik zu werden» feiert am 6. Januar Premiere und wird am Mi 07.01, Do 08.01, Di 27.01 und Mi 28.01 im Südpol aufgeführt. Die Tickets sind HIER über das Kleintheater erhältlich.